Bezahlbarer Neubau in Alt-Treptow unmöglich?

Bezahlbarer Neubau in Alt-Treptow unmöglich?

Wohnungsneubau und bezahlbare Mieten in Alt-Treptow: Der Singer-Songwriter Johannes Oerding weiß, wie es „BESSER ALS JETZT“ geht!

In seinem 2019 veröffentlichten Song „Besser als jetzt“ drückt der Singer-Songwriter Johannes Oerding aus, dass mit „ein bisschen Verstand, einer kleinen Priese Herz, einem Schuss klare Kante, einer Ecke mehr Mut, nicht so viel Angst und weniger Ernst” sich viele bestehenden Probleme zum Nutzen Vieler „besser als jetzt“ lösen lassen.

In Berlin-Treptow, hat unsere Genossenschaft 2006/2007 ein Baugrundstück sehr günstig erworben. Der Kauf erfolgte in einer Zeit des Wohnungsleerstandes, in der Neubau unüblich war. Deshalb betrug der damalige Kaufpreis nur ein Bruchteil des heutigen Grundstückswertes. Als Wohnungsgenossenschaft ist es unser Auftrag, unsere Mitglieder wohnlich zu fördern. Renditedenken ist uns fremd, denn erwirtschaftete Überschüsse sind gemeinschaftliches Eigentum der Solidargemeinschaft, bestehend aus unseren 6.000 Genossenschaftsmitgliedern. Deshalb sind Wohnungsgenossenschaften nur auf eine Deckung der Kosten für Zinsen, Tilgung, Verwaltung und Instandhaltung durch zu zahlende Nutzungsgebühren (Mieten) angewiesen (Kostendeckungsprinzip).

Da hat eine nur auf Kostendeckung angewiesene traditionsbewusste Wohnungsgenossenschaft ein preisgünstiges Baugrundstück für 100 Wohnungen an einem gentrifikationsgeplagten Standort und könnte deutlich niedrigere Mieten darstellen als aktuell marktüblich. Das ist für die Wohnungspolitik, die bereits im letzten Wahlkampf mehr bezahlbaren Wohnraum in Treptow-Köpenick versprach, ein wahrer Segen! Das zumindest wäre eine logische Schlussfolgerung. Denn die Kombination aus einem günstigen Baugrundstück und einem nur auf Kostendeckung angewiesen „Investor“ wird sich an einem solchen Standort nicht wiederholen.

Dieses Verständnis haben nicht alle Beteiligten, die an dem Neubau von bezahlbaren Wohnungen mitwirken. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick hat unseren Bauantrag vom September 2019 bis heute nicht beschieden. Das bezirkliche Stadtplanungsamt ist der Auffassung, das geplante DPF-Neubauvorhaben „fügt sich nach § 34 Baugesetzbuch (BauGB) nicht in die nähere Umgebung” ein und erzeugt „bodenrechtliche Spannungen”. Das Bezirksamt meint, die geplanten sieben Gebäude sind zu hoch und auch zu tief. Das höchste geplante Gebäude weist sechs Vollgeschosse auf. Ortskundige wissen, dass bereits zahlreiche Gebäude in der näheren Umgebung über sieben und acht Vollgeschosse verfügen. Bereits die unmittelbar angrenzende Harzer Straße 118 verfügt über sieben Vollgeschosse, der Neubau Harzer Straße 120 sogar über acht Etagen. Hierzu hat unsere Genossenschaft bereits am 6. April 2020 ausführlich gegenüber dem Bezirksamt Stellung genommen und detailliert dargelegt, weshalb sich das Bauvorhaben in die Umgebung einfügt. Diese DPF-Stellungnahme vom 6. April ist bis heute komplett unbeantwortet geblieben. Der zuständige SPD-Baustadtrat gab gegenüber dem DPF-Vorstand an, dass er zwar die „politische Verantwortung“ innehat, aber die „sachliche Verantwortung“ soll bei der Amtsleitung des Stadtplanungsamtes verbleiben. Aus unserer Sicht eine bemerkenswerte Aussage!

Denn der SPD-Baustadtrat könnte sehr wohl entscheiden, dass die Baugenehmigung erteilt wird. Auch er hat – als SPD-Politiker – im letzten Wahlkampf 2016 den Wählern bereits versprochen, mehr bezahlbaren Wohnraum in Treptow-Köpenick schaffen zu wollen. Wir finden, es ist seine Aufgabe, auch gelegentlich eine Entscheidung entgegen der Empfehlung der Amtsleitung zu treffen, denn die Beurteilung, ob sich ein Bauvorhaben nach § 34 BauGB in die „nähere Umgebung einfügt“ oder nicht, ist nicht immer absolut zu beantworten. Auf unsere am 6. April 2020 vorgetragenen Argumente hat er bis heute nicht reagiert. Wir und unsere Architekten sind der Auffassung, dass sich unser Bauvorhaben einfügt. Und wohnungspolitisch sinnvoll ist es allemal! Der zuständige Stadtrat sollte sich trauen, hier unabhängiger von der Amtsleitung zu entscheiden!

Johannes Oerding hat wahrscheinlich recht! Mit ein bisschen Verstand, einer kleinen Priese Herz, einem Schuss klare Kante, einer Ecke mehr Mut, nicht so viel Angst und weniger Ernst”  aller für den Neubau von bezahlbaren Wohnungen Verantwortlichen, ließe sich auch dieses Problem im Sinne der Menschen, die eine Wohnung suchen und kein allzu großes Portemonnaie haben, und deshalb keine 20,00 EUR/m² (nettokalt) Miete zahlen können, schnell lösen.

Nachfolgend finden Sie unsere Presseerklärung vom 18. August 2020.

Zur Verdeutlichung hier die Veranschaulichung der umliegenden Bebauung.